Sinn, Unsinn und Entscheidungen

Ob der Einsatz von Online-Werkzeugen, und damit von Social Media Angeboten, sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Wollen Sie Social Media Angebote nutzen?

Voraussetzung ist natürlich, das Sie selbst das Netz (zumindest meistens) gerne nutzen. Wenn Sie der ganze Internet-Kram nervt, dann lassen Sie es besser bleiben. Wenn Sie meinen, Sie haben keine Ahnung aber Ihre Teilnehmer erwarten von Ihnen mehr Einbindung des Internet ins Trainingsgeschehen, dann füllen Sie doch erst mal in aller Ruhe Ihre Wissenslücken (Bücher und Seminare – auch Grundlagenseminare zum Thema Internet – gibt es nach wie vor genug). Und wenn Sie sich etwas sicherer fühlen, dann melden Sie sich bei einer Sharing Plattform an (und schreiben dort nicht Ihren tatsächlichen Namen rein) und laden mal eine Word-Datei hoch – das machen Sie heimlich und erzählen niemanden davon. Wenn das gelappt hat, dann schauen sie sich in Ruhe Ihre neue Plattform an und probieren rum. Und irgendwann können Sie es einfach.

Wie hoch ist die Affinität der Teilnehmenden zum Netz?

Ein ganz wichtiges Entscheidungskriterium. Wollen oder können Ihre Teilnehmer das Netz nicht nutzen dann ist dieses Blog für Sie wahrscheinlich uninteressant. Mehr dazu lesen hier

Wie  wollen / können Sie die Angebote nutzen?

Grundsätzlich lässt sich unterscheiden zwischen

  • der Nutzung zur Seminarbegleitung (Vertiefung, Erweiterung, zusätzliche Hinweise, Wiederholung …)

und

  • der Einbindung als Seminarbestandteil

Die Einbindung als Seminarbestandteil wir Ihre Arbeit als Trainer/in verändern – denn hierbei verlagern Sie einen Teil des Seminars in das Internet. Ob Sie das wollen und ob Ihr Auftraggeber die zusätzliche Zeit honoriert ist ein wichtiges Entscheidungskriterium.

Welche Angebote möchten Sie nutzen?

Sobald Sie wissen, wie Sie das Netz nutzen möchten haben Sie die Qual der Wahl. Einige Plattformen stelle ich hier vor; mitsamt ihren Vor- und Nachteilen. Aber generell kann man sagen, dass man auf die Übersichtlichkeit der Angebote achten sollte.

Möchten Sie Material zur Verfügung stellen, dann sollten Ihre Teilnehmenden das Material sehen können, ohne dass sie registriert sind (das ist Möglich bei Mister Wong, slideshare, . nicht möglich bei Facebook, Google). Toll ist es auch, wenn die Betreiber von Sharing-Plattformen Schnittstellen zu anderen Plattformen wie zum Beispiel Facebook haben. Dann können sich Teilnehmer  über ihren Facebook (oder Goggle, oder sonst was … ) einloggen und brauchen sich nicht noch einmal zu registrieren.

Affinität der Lernenden zum Netz

Wie hoch ist die Affinität der Teilnehmenden zum Netz?

Das ist ein Kernpunkt, denn wenn die Affinität niedrig ist, dann werden die von Ihnen genutzten Online-Werkzeuge ignoriert. Ist sie mehr oder minder hoch, dann werden die meisten Teilnehmer Ihre Mühen schätzen.

Haben Sie Gruppen, in denen ‚Offline-Jünger‘ auf ‚Online-Jünger‘ treffen, dann können Sie ganz schnell Probleme bekommen: Diejenigen Teilnehmenden, die das Netz nicht nutzen wollen, fühlen sich schnell benachteiligt bzw. vernachlässigt. Und wir wissen alle, dass das Dynamit für die Atmosphäre ist!
Der Einsatz von Social Media Angebote verbietet sich gerade zu, wenn Ihre Teilnehmenden das Netz nicht nutzen können (doch, das gibt es – auch in Deutschland).

Social Media als Seminarbestandteil

Wenn Sie Social Media zu einem Bestandteil Ihres Seminars machen möchten ist klar, dass die Teilnehmer mitmachen müssen:

Ihre Affinität zum Netz muss recht hoch sein und sie müssen das Arbeiten im Netz auch wollen. Es gibt viele Teilnehmende, die nach Seminarende genug haben – da fehlt der Wille sich noch mal ein Stündchen an den Rechner zu setzen. Und das ist auch ok wenn die Teilnehmenden nicht vorher über ‚Heimarbeit‘ informiert wurden.

Wenn Social Media Bestandteil Ihrer Seminare sein soll, so sollte Ihr bisheriges Präsenzkonzept daran angepasst werden und Ihre Teilnehmenden müssen vorab darüber informiert werden. Das macht Ihnen am Anfang natürlich eine Menge Arbeit … es kann sich jedoch lohnen.

Ist Social Media Bestandteil Ihrer Trainings, so werden Sie wahrscheinlich auch die Kommunikationsmöglichkeiten nutzen: mit Blog-Kommentaren, Foren, Gruppen (siehe dazu die entsprechenden Artikel). Sie können gezielt den Austausch untereinander und auch die Beschäftigung mit einem bestimmten Thema (zum Beispiel durch einen provokanten Beitrag in einem Blog) fördern. Oder Sie schaffen im Sprachunterricht Schreibanlässe durch Aufgaben, Fragen etc.

Das bedeutet für Sie jedoch: Online-Moderation von Diskussionen, Pflege der Beiträge, ein Durchsetzen von Standards (wertschätzende Kommunikation – das wird im Netz leicht vergessen; da werden schon mal Sätze / Beiträge rausgehauen, die in der face-to-face Kommunikation nicht gefallen wären). Der Zeitaufwand dafür ist erheblich und wird in der Regel nicht in die Honorarkalkulation eingerechnet.

Der Arbeitsaufwand erhöht sich auch dadurch, dass Diskussionen oft in geschützten Räumen stattfinden, meist so genannte geschlossen Blogs – technisch ist so etwas heute leicht umzusetzen; Kenntnisse brauchen Sie kaum. Aber es braucht viel Zeit für jedes Training einen neuen ‚Raum‘ online einzurichten und zu verwalten.

Selten sind für Trainer/innen in offenen Seminaren Aufträge, in denen da das Preis-Leistungs-Verhältnis noch stimmt.

Was nicht passieren sollte …

… aber passieren kann

  • doppelter Aufwand bei gleichem Honorar

Wer Online-Angebote nutzt, um mit Lernern zu kommunizieren und zu diskutieren, sollte die Zeit zur Moderation und Aministration von Kommunikationsplattformen ausreichend kalkulieren. Ein Präsenzseminar um Online-Kommunikationselemente zu erweitern bedeutet nun einmal mehr Zeit zu benötigen. Diese Zeit muss genauso (ob nun nach Stunden- oder Tagessätzen) vergütet werden wie jede andere Tätigkeit.

  • Privatunterricht / Individualtrainings

Es gibt immer mal wieder Teilnehmende, die  Kommunikationsangebote für Seminargruppen fasch verstehen: schnell werden dann Trainer/innen und Seminarleiter/innen mit Fragen überhäuft, die sich am alleräußersten Rand des Seminarthemas bewegen oder auch völlig darüber hinaus gehen. Oder sie werden mit Problemen konfrontiert, die so individuell sind, dass sie für die Lerngruppe keine Bedeutung habe.
Daraus können sich leicht Situationen ergeben, die zwischen Einzelschulung – Training on the Job – persönlichem Coaching – Seelsorge liegen.
Hier gilt es, von vornherein klare Grenzen zu setzen – Gruppenseminare bleiben Gruppenseminare; ein Thema bleibt ein Thema; Niemand (auch Trainer/in nicht) kann alles wissen oder alles können.